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Neuer Beauftragter für Sprunginnovation der Bundesregierung: Rafael Laguna – Gute Nacht Deutschland

Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis. Wenn man aber nicht einmal genügend Sachverstand hat, Mitglieder eines Arbeitskreises zu benennen, dann benennt man einen Experten. Der neue Experte der Bundesregierung, Rafael Laguna, meldet sich durch einen Artikel in Spiegel Online: Letzte große Innovation aus Deutschland?  Das Auto   Er wünscht sich, daß aus Deutschland auch mal eine große Innovation wie z.B. MP3 kommen würde.

Hier irrt der „Experte“ gleich zweimal. Entgegen der landläufigen Meinung wurde das Auto in Lothringen 1764 von Nicolas Joseph Cugnot erfunden. Das Auto hatte eine Dampfmaschine als Motor. Es gab auch schon Vorläufer mit Elektro- oder Benzinmotor. König Ludwig von Bayern fuhr sogar  auf einem E-Schlitten mit elektrischer Beleuchtung! England und Lothringen waren im 19. Jahrhundert führend im Maschinenbau. Die rückständigen Schwaben schickten ihre Talente wie z.B. Gottfried Daimler zur Ausbildung nach Lothringen zum etwas illegalen Technologietransfer.

Von noch schlimmerer Ahnungslosigkeit zeugt die Aussage des Experten zu MP3. Die Grundlagen für MP3 wurden am Institut für Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart von Professor Richardt Feldtkeller mit dem Buch „Das Ohr als Nachrichtenempfänger“ gelegt. Einer seiner Assistenten, Prof. Seitzer hat die Forschungsergebnisse zum Fraunhofer Institut transferiert und mit Kollegen zu MP3 ausgebaut. Allerdings nur als Methode um Audio Daten etwa  um den Faktor 10 zu komprimieren. Ausser in Fachkreisen war MP3 aber nicht bekannt. Der Siegeszug von MP3 ist einem australischen Studenten zu verdanken, der MP3 „entdeckte“ und als Hacker in die offene Welt der Programmierer einbrachte, die im Internet bei der Arbeit Musik hören wollten und keine großen Speicher und wenig Bandbreite für die Datenübertragung zur Verfügung hatten.

Das ist ein schönes Beispiel für Unfähigkeit Wissenschaft und Technik im Markt erfolgreich zu machen. Man hätte vielleicht mal am Fraunhofer Institut die Biographie von Robert Bosch lesen sollen, der bei einer Belegschaft mit 10 Mitarbeitern sein erstes Vertriebsbüro in London aufmachte.

Ironie des Schicksals: die Wissenschaftler von der Fraunhofer Gesellschaft erhalten noch heute Geld für ihre Patente. Der Verantwortliche für den Erfolg, der australische Student, ging leer aus.

Fazit: „Gott schütze uns von Meer und Wind und vor Experten die von der Regierungen sind!“

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Open Source Portal uPortal anstatt Facebook

Allenthalben wird über das Monopol von Facebook gejammert aber kaum jemand weiss, dass es speziell für Universitäten und Schulen durchaus Alternativen gibt. Universitäten in USA, Canada, Frankreich und anderen Ländern (ausser Deutschland) haben seit 2000 ein auf JAVA und der Open Source Plattform Aprereo basierendes Portal entwickelt, das an vielen Universitäten und Schulen verwendet und gemeinsam entwickelt wird. Der uPortal Server kann heruntergeladen und kostenfrei installiert werden. Tausende Schulen in Canada verwenden das uPortal. Die uPortal Community sorgt für geordnete Entwicklung, Release, Administration und Update Management. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu den vielen Einzelaktivitäten, die meist kurze Zeit nach der Entwicklung wieder aufgegeben werden.

uPortal verwendet Java, JSIG Portlet Standards JSR-168 / JSR-268 , die ursprünglich im IBM Labor Böblingen entwickelt und heute gewartet werden. Die JSr/JASIG Portlets werden u.a. beim IBM Websphere Portal, JBoss, Liferay u.a. eingesetzt und sind im Moment der beste Kandidat für den offenen Portal Standard.  Die proprietären Portlets von Microsoft (Sharepoint), SAP oder GOOGLE sind wohl  keine Kandidaten für einen Open Source Standard.

Die deutschen Universitäten und die Kultusministerien beteiligen sich bei Open Source Aktivitäten natürlich nicht und machen sich lieber abhängig von Facebook und Co.

Allerdings gibt es inzwischen kleine deutsche IT Firmen, die uPortal als Plattform z.B. für Vereine oder für Dokument Workflow anbieten.

Die uPortal Community entwickelt eine uPortal für Smartphones Version.

Eine interessante Anwendung ist z.B. die UPortal Telefonzentrale für IPhones mit der man über das Web weltweit kostenlos telefonieren  UPortal for iPhone

Die Universitäten haben eine grosse Zahl von spezifischen Anwendungen für Administration und Lehre entwickelt.

Beispiele:

University of California (YouTube)

Yale University (Vimeo)

 

Langfristige uPortal Strategie: WordPress Plattform

Ein wesentlicher Nachteil der jetzigen uPortal Implementation ist die Begrenzung auf die Tomcat Server Plattform. Damit lassen sich keine sehr grossen, verteilten Systeme betreiben. Der Aufwand für den Betrieb einer lokalen Server Installation ist für kleinere Organisationen zu hoch. Ein ähnliches Problem haben das Sharepoint Portal von Microsoft und das Websphere Portal von IBM für Unternehmen. Die University of California hat deshalb begonnen ihre uPortal Anwendungen mit allen Portlets auf die Open Source Plattform WordPress zu migrieren. Die Betreiber haben dann die Wahl ihre Plattform auf einem eigenen Server oder in der Cloud bei WordPress oder einem anderen Cloud Service zu nutzen.

Damit wird die Einrichtung eines uPortals wesentlich einfacher und man erhält das führende Dokumenten Management  von WordPress nutzen. Gleichzeitig kann man den grossen Skill Pool der WordPress Entwickler und die Tools nutzen. Damit erhält uPortal eine langfristige Perspektive und kann auch von Unternehmen eingesetzt werden.

PS Ich nutze WordPress für meine Blogs seit über zehn Jahren. Damals bestand das WordPress Team aus 23 Mitarbeitern, hatte aber einen überzeugenden Plan für Technik und Business.