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Keine Angst vor dem Staatstrojaner – die Maizière geht weiter

Web GaunerEs ist schon beängstigend wie wenig unsere Bundestagsabgeordneten von IT verstehen. Offensichtlich meinen Sie, daß die Kenntnis von organisatorischen Tricks in der Gesetzgebung für die Bekämpfung von Straftaten ausreicht.

Ein Trojaner kann nur dann wirken, wenn er unbekannt ist. Verkündet man dagegen per Gesetz einen Bundestrojaner einzusetzen, wird dieser in maximal zwei Wochen von „Kennern“ entdeckt. Viel Ruhm und Ehre winken dem Spezialisten, der den Staatstrojaner als erstes entdeckt und Tipps für die Beseitigung gibt. Mangels Spezialisten beim deutschen BSI wird man den Trojaner wohl in Israel oder Russland einkaufen müssen.

Unsere Bundestagsabgeordneten haben offensichtlich noch nie mit einem Profigauner gesprochen und haben offensichtlich auch keine IT Profigauner in ihren Reihen.  Nur Kleinkriminelle verwenden ihr eigenes Smartphone für Straftaten. Der Profigauner kauft sich mehrere Geräte auf dem Flohmarkt (möglichst mit Restguthaben) und verwendet das Gerät nur einmal. Gerne leiht man sich auch ein Gerät von Bekannten für ein „wichtiges“ Gespräch aus oder führt ein Gespräch in einer Fremdsprache, wofür die Polizei keinen Übersetzer hat. Vor der Einreise nach Deutschland kauft man sich z.B. in Österreich eine Prepaid Karte. Nur die Karte kann man überwachen. Mit dieser Information kann man keinen Trojaner auf das Gerät aufspielen – dafür braucht man Informationen vom Gerätehersteller oder  OS Lieferanten. Bei Apple ist das noch relativ einfach, bei Android gibt es aber viele verschiedene Betriebssysteme.

Der Bundestrojaner soll auch „unverschlüsselte“ Dokumente auf dem Smartphone oder PC auslesen können. Sind die Dokumente aber verschlüsselt hat auch der Trojaner keine Chance. Wichtige Dokumente, die mit anderen geteilt werden sollen, lege ich ähnlich wie Banker z.B. auf meinem privaten Portal Server, der in der Schweiz steht, ab. Ver- und Entschlüsselung der Dokumente erfolgt auf einem älteren PC, der nie ans Internet angeschlossen wird. Die geheimen Schlüssel werden natürlich nicht über WhatsApp verteilt.

Das größte Problem bei der Überwachung vieler Personen ist aber, daß die Polizei nicht genügend Personen mit dem notwendigen Knowhow hat, um die gesammelten Informationen auszuwerten. Nun versprechen KI Firmen, daß sie Programme liefern können mit denen man BIG DATA filtern und bewerten kann. Leider kommt es dabei beim Sammeln der Daten zu massiven Falschmeldungen. Je nach Verfahren bekommt man 1% bis 10% Fehlmeldungen. Überwacht man z.B. einen Bahnhof mit Video muss man bei 1000 Besuchern am Tag mit 10 bis 100 Falschmeldungen rechnen. Wo soll das Personal herkommen, das die Fehlermeldungen sortiert und analysiert?

Der Innenminister und der Bundestag schießen sich wohl mit dem Gesetz selbst ins Bein. Die Bevölkerung wird vorgegaukelt, daß sich mit den Maßnahmen die Sicherheit wesentlich erhöht. Da mit den avisierten Maßnahmen, die Sicherheit und auch die Quoten für die Aufklärung nicht wesentlich erhöhen lassen, kann es bei den Wählern zum „Theresa May Effekt“ kommen.

Wesentlich einfacher wäre es für die deutsche Polizei z.B. bei Google für einige  Millionen € die kompletten Bewegungsdaten der deutschen Bevölkerung zu kaufen. Die sind auf etwa 30 m genau. Die polizeiliche Grundsatzfrage „Wer mit wem“ ließe sich damit schnell und effizient klären. Schließlich telefoniert nicht jeder Drogendealer mit seinem Kunden und erklärt ihm wo er die Ware abholen kann.

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