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Homeoffice Email Desaster

Working from Home

Die Informatik Infrastruktur und die Informatik Bildung in Deutschland ist sehr weit fortgeschritten – hinter dem Mond!

In der Corona Krise sollen plötzlich alle vom Home Office arbeiten. Leider benutzen die meisten Deutschen nur Telefon, Email und WhatsApp für die Kommunikation. Was bisher nur mündlich oder mit Formularen geregelt wurde, soll jetzt mit Email funktionieren. Sogar die Ārzte akzeptieren plötzlich Emails um ūberhaupt ihre Patienten betreuen zu können. Leider haben viele Patienten keine Email und in den Arztpraxen muss jede Email hāndisch in das Praxissystem eingepflegt werden. Datensch(m)utz spielt plōtzlich keine Rolle mehr. Die IT Systeme sind so ausgelegt daß die Gesundheitskarte des Patienten physisch vorliegen muss. Da muss der Corona Patient dann persōnlich vorbeikommen. Āltere Patienten kōnnen hāufig nur Telefonieren. Leider ist das Telefon jetzt immer belegt oder wird nicht bedient – man muss ja die Emails bearbeiten.

Kleiner System Test: was passiert wenn der Hausarzt plōtzlich an Corona erkrankt?

Natürlich hat Google mit Slack die Lösung parat. Die auch unsere Bundesregierung empfiehlt damit wir nicht nur bei Medikamenten vom Ausland abhängig sind.

Das IT Chaos können viele Eltern und Schūler hautnah erleben, wenn plötzlich der Unterricht über das Internet erfolgen soll. Allenfalls werden Server fūr Daten angeboten. Das stolze Bayern hat einen Schulserver auf der fortschrittlichen Windows NT 4.0 Plattform! Schulen und Lehrer basteln sich jetzt abenteuerliche Lösungen für Corona Schulen.

Noch schlimmer sieht es bei den Behōrden aus. Bei vielen Vorgāngen muss der Bürger den Personalausweis vorlegen und unterschreiben. Dabei hat der Deutsche Personalausweis schon seit Jahren eine Funktion fūr digitale Identifikation und digitale Signatur. Das funktioniert mehr schlecht als recht aber nur beim Steuerprogramm ELSTER (ein sinniger Name!) Die verantwortlichen Politiker reisen zwar gerne nach Estland um sich dort Verwaltung 4.0 anzusehen kommen aber bereits beim Heimflug zum Schluss “Bei uns geht das aber nicht!” Stimmt.

Bei den Unternehmen sieht es nicht viel besser aus. Aufgaben sollen in Agilen Teams bearbeiet werden. Die Teams erledigen sich dann von selbst wenn vom Homeoffice gearbeitet werden soll, da keine Infrastruktur fūr Kooperation existiert. Vorhanden Systeme werden hāufig von Mitarbeitern und Management sabotiert. Man hat nicht gelernt wie man damit umgeht. Wer gibt schon gern sein Wissen an andere weiter?

Bei den vielen Videotelefonaten und Videokonferenzen, die jetzt stattfinden werden, bricht das Internet Netz in Deutschland wohl schnell an den Internet Zugängen zusammen. Die üblichen DSL Anschlüsse sind speziell beim Upload viel zu langsam. Führt der Nachbar ein längeres Video-Telefonat geht am gleichen Netzknoten nichts mehr. Bei mir sind die neuen Internet Zeiten bereits angebrochen. Ich habe einen Glasfaserleerrohr-Anschluss im Haus. Leider können sich die Gemeinde und Internet Anbieter nicht einigen. Das ist aber nicht so wichtig weil es sowieso nicht genügend Facharbeiter für das Verlegen der Glasfaserkabel gibt.

Glasfaser Leerrohr im Haus

Der Mangel an Infrastruktur für Kooperation auch über Behōrden- und Firmengrenzen hinaus sowie die geringe Bereitschaft in Deutschland, moderne IT zu verwenden wird den jetzt notwendigen Umbau unserer Gesellschaft verzögern und behindern.

Ich bin mal gespannt wie die versprochen Corona Hilfen für freigestellte Mitarbeiter und Unternehmen ohne Umsätze in unserer Papier-Republik schnell umgesetzt werden.

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Allgemein IT Beruf

Wer stellt IT Anfänger von der Uni ein

Alles in der Cloud
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IT Studenten aber auch ihre Professoren haben meist völlig falsche Vorstellungen davon, in  welchen Bereichen IT Experten nach dem Studium eigentlich tätig sind. Für Studenten, die ihr Studium in 2015 abschließen wollen, ist es wichtig zu wissen, wo eigentlich offene Stellen für Einsteiger zu finden sind.

Für England gibt es eine detaillierte Studie für die Top 100 IT Arbeitgeber, die 2015 insgesamt 18000 Berufsanfänger einstellen wollen. In Deutschland ist mir leider keine ähnliche Studie bekannt. Es gibt aber eine recht gute Übersicht über den IT Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit. Die Bereiche, die am meisten IT Experten in England einstellen wollen (14290 von 18000) und tatsächlich in 2014 auch eine ähnliche Zahl von Anfängern eingestellt haben:

4000 Verwaltung und professionelle Services
3280 Öffentliche Verwaltung
2265 Investment Banking
1575 Ingenieure/Industrie
1520 Handel
1050 Armee
600 IT und Telekom

Interessant ist zunächst dass der Bereich IT, für den unsere Informatiker ausgebildet werden, nur eine geringe Zahl von Anfängern aufnimmt. Der Bereich professionelle Services stellt die meisten Bewerber ein – diese machen sich dann mit einigen Jahren Berufserfahrung in besser bezahlte Bereiche davon. Interessant ist, dass in England sowohl die öffentliche Verwaltung als auch die Armee massiv IT Experten einstellen. England will seine Verwaltung auf ein ähnliches IT Niveau heben wie es in der Industrie üblich ist. Rückschläge werden dabei hingenommen, weil sich traditionell die öffentlichen Bediensteten gegen alle Bemühungen wehren, die ihre Arbeit effektiver machen wollen. So ist z.B. ein Projekt zur Auszahlung der EU Gelder für Landwirte in England u.a. daran gescheitert, dass die Beamten kein Web basiertes System für Problem Management benutzen wollten. Die Beamten sind es gewohnt alle Probleme in aufwändigen Sitzungen zu besprechen. Erfolgskontrolle wird abgelehnt. Erfahrene deutsche IT Projektleiter wissen, dass auch in Deutschland IT Projekte in der öffentlichen Verwaltung häufig ein „highway to hell“ sind, da es bei Behörden keinen Druck zur Rationalisierung gibt. Der Stand der IT in der öffentlichen Verwaltung ist in Deutschland ziemlich bescheiden, wie der Umgang mit der Flüchtlingswelle anschaulich zeigt.

In Deutschland gibt es etwa 12 000 „IT Experten“, die neu ins Berufsleben einsteigen wollen – eine ähnliche Zahl wie in England. Die Zahlen sind aber wegen der unterschiedlichen Ausbildungsgänge wohl nicht gut vergleichbar. In Deutschland gibt es dank SAP u.a. eine große Zahl von Experten, die in der IT tätig sind. Das bedeutet aber nicht, dass auch viele Anfänger eingestellt werden, da auch die Software Entwicklung immer mehr ausgelagert wird. Verlässliche Zahlen, z.B. die Zahl der tatsächlich eingestelten (und entlassenen) IT Experten gibt es nicht. Die IT Service Firmen schreiben traditionell viele Stellen aus, die aber häufig nicht besetzt werden können, weil man die richtigen Experten nicht bekommen konnte oder ein großes Projekt an den Mitbewerber ging.

Die offenen IT Stellen in England werden ähnlich wie in Deutschland zu 30% von IT Experten ohne Uni Abschluss aber mit praktischer Erfahrung besetzt. Der beste Weg zum Einstieg sind laut Aussage der Einsteller bei den Arbeitgebern für alle Berufsanfänger Praktika und Jobs in den Semesterferien  das wissen unsere Studenten aber schon länger. Hierfür sollten sich Studenten aber Firmen suchen, die selbst einstellen oder in Branchen arbeiten, in denen hoher Bedarf herrscht. Man sollte sich als Student rechtzeitig eine Strategie ausdenken, wie man an die Entscheider herankommt, die attraktive Praktika vergeben. Meist ist das nicht die Personalabteilung.