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Wie konnte Facebook so schnell wachsen – Crowd Development

Free FacebookDie deutschen Informatiker schauen  an die US West Coast und wundern sich, wie schnell dort Ideen (meist sogar ziemlich alte) in erfolgreiche neue Produkte umgesetzt werden. Das Geheimnis liegt in der unkonventionellen Art wie die Produkte entwickelt werden. Jenseits des „offiziellen“ Management Sprechs beschreibt der Entwickler Ben Blumenfeld, wie in den ersten fünf Jahren bei Facebook entwickelt wurde. Anstatt den von deutschen Informatikern und deren Managern geforderten geordnetem Entwicklungsablauf  mit Marktanalyse, Anforderungen, Entwurf, Codierung und Test verlief die Entwicklung extrem chaotisch. Gruppen von Entwicklern taten sich zusammen und entwickelten, was sie für notwendig hielten. Die Methoden wurden flexibel gemäß den Anforderungen und den Kenntnissen und der Erfahrung der Entwickler gewählt. Irgendwann tauchten diese Projekte dann auf dem Bildschirm von Mark Zuckerberg auf und wurden dann offiziell. Manche Projekte, die nicht auf der offiziellen Linie lagen, mussten geheim durchgeführt werden. Das Management versuchte nicht, die Arbeitszeit jedes Mitarbeiters zu kontrollieren. Zur gewissen Zeitpunkten tauchten diese Projekte dann auf und wurden entweder fortgeführt oder aufgegeben.

Mit dem Anwachsen der Benutzerzahlen mussten natürlich offizielle Prozesse für  Integration, Test und Release eingeführt werden. Der Schwerpunkt lag am Anfang aber auf der Implementierung neuer Ideen. So ähnlich lief am Anfang auch die Entwicklung bei Microsoft, Apple, Amazon u.a., die heute Marktführer sind. Zum Teil gelingen solche Projekte auch in etablierten Firmen wie SAP (Hana) oder IBM (Watson) wenn man wenigstens einer kleinen Gruppe von Entwicklern in der Firma Freiheiten gewährt und sich das Management wenigstens ein bischen etwas zutraut.

Für diese Art der Entwicklung braucht man viele eigenständige und kreative Entwickler, die für erfolgreiche Arbeit nicht nach Tarif, sondern mit einigen Millionen $ belohnt werden. Mit einer Herde von Lämmern und Hasenfüßen kann man solche Projekte natürlich nicht durchführen. Anstatt Start Up Unternehmen  bekommt man dann Shut Down Landschaften.

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Ein Alptraum – das autonome Auto

Benz AutomobilAnspruch und Wirklichkeit der IT klaffen bei der deutschen Automobilindustrie weit auseinander.

Die deutsche Automobilindustrie fährt zur Zeit eine große Aktion zur Ablenkung ihrer Kunden von den eigentlichen Problemen der Industrie. Für viele Autofahrer wird es immer unattraktiver in stundenlangen Staus in und um die Großstädte zu stehen. Viele längere Fahrten dauern doppelt so lange als die elektronischen Helfer anzeigen. Selbst das modernste Navi kann keine „Schleichwege“ für verstopfte deutsche Autobahnen finden, da es entweder keine Schleichwege gibt oder diese noch schlimmer verstopft sind als die Autobahnen. Selbst im Autoland Deutschland sind nur wenige Kunden bereit für angeblich „grüne“ Autos überhöhte Preise zu bezahlen. Da kommt der Hype um das autonome Automobil gerade recht. Die deutschen Autofreaks sollen plötzlich viel Geld für Zusatzausrüstung in der Oberklasse ausgeben, damit sie nicht mehr rasen können. Auf den Highways in USA ist man dem autonomen Fahren weit näher. Ein einfaches generelles Tempolimit (da braucht man nicht einmal Schilder aufzustellen) reicht aus, um den Verkehr ruhig fließen zu lassen. Wer da ausschert kann leicht vom Hubschrauber identifiziert werden. Hier kann man sich vorstellen, dass man die Fahrt weitgehend automatisieren kann. Autofahren ist in USA anders als in Deutschland kein Abenteuer sondern eine lästige Tätigkeit. In China fährt man in der Oberklasse schon heute autonom – mit Chauffeur.

Die Automatisierung der Steuerung von LKWs ist wohl wenig wirtschaftlich. Die Löhne der LKW Fahrer sind bereits so niedrig (speziell aus dem EU Ausland), dass man eigentlich nicht viel sparen aber viele Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor vernichten kann.

Geradezu lebensgefährlich wird es wenn die Bosse der deutschen Autofirmen über digitale Systeme schwadronieren. Das Knowhow für sichere Hardware, Software und Systemmangement ist weder in der Belegschaft noch im Management auf einem Niveau, das beim Kunden Vertrauen in eine neue Technologie schaffen könnte. Der Großkonzern VW ist nicht einmal in der Lage die Software zur Steuerung des Motors (und der Abgase) selbst zu entwickeln. Man ist auf die Hilfe des Zulieferers Bosch angewiesen, der seine Software natürlich ohne Gewähr anliefert. Die Mannschaften der Hersteller, die für die Sicherheit der IT zuständig sind haben allenfalls das Niveau von Junior Hackern erreicht. Das Management hat von systematischer Entwicklung hochzuverlässiger Software und Softwaremanagement wenig oder gar keine Ahnung. Dafür klebt man sich die höheren Manager bei VW die Pläne des 16 Zylinders Bugatti Motors an die Wand. Bei der Hardware sieht es noch viel schlimmer aus. Nur Bosch hat noch eine Hableiterfabrik in der zumindest Sensoren und Komponenten der Leistungselektronik hergestellt werden. Komponenten der Consumer-Elektronik können im Auto in der Regel nicht verwendet werden. Die gesamte Codebasis vom Betriebssystem bis zu den Anwendungen ist für hochzuverlässigen Betrieb in Millionen von Fahrzeugen nicht geeignet. Man verwendet gerne Open Source Code, weil man selbst weder das Knowhow im Hause hat noch die Entwicklung bezahlen will. Es gibt auch keine Konzepte wie hoch komplexe Hardware und Software über die Betriebsdauer des Fahrzeugs gewartet und nachgebessert werden kann. Von den Smartphones und PCs weiß man ja inzwischen daß man mit einem Update zig Millionen von Geräten stören kann.

Fast jeder Autofahrer hat schon die Erfahrung gemacht, dass Fehler gar nicht von der Elektronik und der Software erfasst werden (da lesen wir mal den Bordcomputer aus) oder Fehler durch Update der Software behoben werden müssen. So manches Auto bleibt bereits heute schon wegen der Software zum Teil sogar auf der Autobahn stehen. Selbst Flugzeuge sind heute nicht so zuverlässig, dass sie für automatischen Betrieb geeignet wären. So konnte z.B. die Kanzlerin für ihren Flug nach Indien die offizielle Maschine nicht benutzen – diese war trotz immensem Wartungsaufwand defekt.

Ähnlich wie bei CO2 Verbrauch und Abgasen lässt sich die Politik von den Automobilherstellern benutzen. Schaut man sich das Video von Herrn Bernhard (Daimler LKW) und von Herrn Kretschmann (grüner Ministerpräsident B-W) im autonomen LKW an, kann einem schon Angst werden. Digitale Naive am Steuer von Großunternehmen und Staat sind für die Bürger gefährlich. Zum Glück ist das nur eine PR Aktion um von den Problemen mit den Abgasen abzulenken. Vielleicht sollten sich die Herren einmal mit ein paar LKW Fahrern unterhalten um zu erfahren, welche realen Probleme im Verkehr und bei der Infrastruktur in Deutschland vorrangig gelöst werden müssen.

 

 

Wie kann Open Source finanziert werden?

One cut higher

One cut higher

Ein Benutzer eines Android Tablets aber auch eines Windows PCsverwendet wohl täglich 100 Open Source Programme, die häufig nur von einem Programmierer betreut werden, der das ehrenamtlich macht. Die Qualität der Open Source Programme ist dabei genausogut oder sogar besser als die Programme von Firmen wie Apple, Microsoft, IBM, Oracle, SAP u.a. Das ist weltweit eigentlich das einzige „kommunistische“ System das funktioniert. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Kompetenz der Entwickler von anderen Entwicklern laufend überprüft wird und erkannte Fehler schnell erkannt und korrigiert werden. Die Benutzerforen von Apple, Microsoft, Gogle u.a. haben eine ähnliche Funktion.

Was aber bei Open Source nicht so richtig funktioniert ist die Verwaltung und die Verteilung des Open Source Codes und die diversen Updates. Das kann von Freiwilligen nicht bewältigt werden. Das ist Knochenarbeit, die organisiert und auch ordentlich bezahlt werden muss wofür Spenden von Benutzern aber auch von Firmen nicht ausreichen.

Nun erhebt unser Staat eine Abgabe auf Hardware zur Speicherung von Daten (Platten, Memory Sticks, SD Karten usw), die an sogenannte „Kreative“ also Autoren, Fotografen, Komponisten und Musiker ausgeschüttet wird. Ohne die Programme der Open Source Community würde die ganze Infrastruktur nicht funktionieren und die „Kreativen“ könnten ihre Werke gar nicht vermarkten. Es wäre sicher nur gerecht wenn ein Anteil z.B. 20% dieser Einnahmen an die „kreativen“ Softwareentwickler augezahlt würden. Zusätzlich sollten die Firmen, die Open Source Produkte bei ihren Kunden einsetzen Gebühren für die Nutzung bezahlen. Ich bin ziemlich sicher, dass die Open Source Community schnell ein besseres Verteilungssystem entwickeln würde als die GEMA. Parallel dazu sollten die Universitäten in Deutschland massiv gefördert werden, die Open Source Code weiter entwickeln. Hier könnte unser neuer IT Minister Dobrindt einen vernünftigen Beitrag zur Entwicklung der IT in Deutschland leisten.