Katastrophenwarnung KATWARN – warum nicht mit sozialem Meldernetz

Stahltür-Überschwemmung

Stahltür bei Überschwemmung ausgeschwemmt

Im Jahr 2008 gab es in Hechingen eine lokale Überschwemmung durch Starkregen mit 3 Toten. Näheres über Ursachen und Auswirkungen sowie Tipps für Hochwassergeschädigte findet man im Hohenzollern Hochwasser Blog. Die Situation war ähnlich wie bei den vom Tief Elvira verursachten Hochwasserschäden am 29.5.2016. Beim Hochwasser 2008 wurde das Haus meiner Schwiegermutter von der Überschwemmung verwüstet. Es hat viel Arbeit, Geld und mehrere Monate Zeit gekostet, um das Haus zu sanieren. Typisch war, dass schon eine Stunde vor Eintreffen der Flutwelle am Oberlauf des Flusses Überschwemmungen auftraten. Das ist typisch für Überschwemmungen durch Starkregen. Das Wasser am Oberlauf eines Baches oder Flusses steigt mindestens 30 Minuten vor Erreichen der größeren Orte stark an.  Es wäre also genug Zeit gewesen die Anlieger am Unterlauf des Flusses zu warnen. Es gab aber kein effizientes von den Behörden organisiertes Warnsystem. Als Lösung, die auch exemplarisch implementiert wurde,  habe ich ein Internet Warnsystem vorgeschlagen mit dem sich Bürger in einem sozialen Netz gegenseitig warnen können. Freiwillige Hochwasser Melder können bedrohliche Wasserstände rechtzeitig melden und Betroffene können über Smartphone oder Telefon gewarnt werden. Das System Hohenzollern Hochwasser Warnung wurde  beim AAL Kongress 2008 in Berlin vorgestellt.

Nach einigen Diskussionen hat das Fraunhofer Institut diese Idee aufgegriffen und mit Unterstützung der deutschen Versicherungswirtschaft das System KATWARN aufgebaut, das die Bürger vor Überschwemmungen und anderen Katastrophen warnen kann.

Einige Gemeinden u.a. Böblingen setzen dieses System inzwischen ein – Beispiel Meldungen gibt es z.B. auf YOUTUBE man weiß allerdings nicht was da aktuell ist und was Werbung. Man sollte sich die APP KATWARN für iPhone oder Android auf das Smartphone laden.  Dort kann man mehrere Orte definieren für die man Warnungen erhalten möchte. Gestern  habe ich z.B. eine Warnung vor dem Tief ELVIRA erhalten. Allerdings hat das System gegenüber dem vor 8 Jahren vorgeschlagenen System ein entscheidende Schwäche.

Das Meldesystem mit freiwilligen Helfern wurde nicht implementiert. Es werden nur „offizielle Nachrichten“ z.B. vom Deutschen Wetterdienst oder den Landratsämtern verbreitet. Auch die ARD kann keine Warnungen für lokale Gefahrenlagen aussenden, wenn es die gar nicht kennt (siehe „ARD wehrt sich gegen Kachelmann-Kritik“). Eine allgemeine Warnung „Heftige Niederschläge in Baden-Württemberg“ nimmt man nicht ernst, da man aus Erfahrung weiß, daß man in den meisten Fällen nicht selbst betroffen ist. Auch kann man aus der Menge des lokalen Niederschlags nicht eindeutig auf eine Gefahrenlage schließen. Die Gefahrenlage können die Menschen vor Ort aber schon mit einem Blick aus dem Fenster feststellen.

Unsere Behörden haben aber offensichtlich eine Sperre die Bevölkerung in ihre Prozesse einzubinden – man möchte alles von „Oben“ organisieren – das ging bei ELVIRA mal wieder schief. (In Baden-Württemberg gibt es zwar eine Beauftragte für Bürgerbeteiligung, die aber nicht sehr Technik affin ist). Die gute Nachricht – das System KATWARN ist eine gute Basis für die Katastrophenwarnung und kann leicht durch ein soziales Netzwerk erweitert und funktionsfähig gemacht werden. Mal sehen ob es wieder 8 Jahre dauert bis die Idee umgesetzt wird.

PS Die Mär vom Jahrhundertwasser: in Hechingen gab es nach dem „Jahrhunderthochwasser 2008“ bereits im Jahr 2011 wieder ein „Jahrhunderthochwasser“ mit ähnlich starken Regenfällen. Passiert ist dabei aber nichts weil Stadt und Land inzwischen Flußlauf und Kanalisation sauber halten.

 

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