Guter Kunde – schlechter Preis bei Amazon

Euro Bild Viele Kunden (und unsere Politiker) glauben noch daran, daß das Internet ein homogener, transparenter Markt ist und daß sie bei Bestellungen im Internet auch den besten Preis erhalten. Ganz Vorsichtige verlassen sich auf Vergleichsportale oder kaufen erst dann, wenn das gewünschte Produkt billiger wird und fallen dann auf den „Price Alert“ herein..

Tatsache ist aber, daß im Internet ähnliche Roßtäuscher Verfahren angewendet werden wie sie auf Märkten in aller Welt seit Jahrtausenden angewendet werden.

Ein kleine Beispiel: Zum Geburtstag wünscht sich das Patenkind einen bestimmten Bausatz von Lego. Meine Frau findet auch schnell mit Google mehrere Anbieter und bittet mich den Bausatz zum „Bestpreis“ beim günstigsten Anbieter zu bestellen. Zu meiner Verblüffung stelle ich fest, daß mein  „Bestpreis“ etwa 10% höher ist. Nun könnte das Teil ja in der Zwischenzeit teurer geworden sein. Eine schnelle Prüfung vom Smartphone meiner Frau zeigt aber, das ihr „Bestpreis“ noch immer niedriger ist.

Eine simple Erklärung für dieses Phänomen. Meine Frau bestellt über ihr Smartphone grundsätzlich nichts im Internet. Bestellungen laufen über den PC der Familie über einen speziellen User ID. Damit behält man den Überblick wer wann, wo, was bestellt hat. Amazon weiß nun, daß dieser Kunde regelmäßig im Internet bestellt. Anstatt nun diesem Kunden mit einem guten Preis zu belohnen wird versucht, bei ihm einen höheren Preis zu verlangen. Bei Neukunden möchte man aber die Kunden mit einem guten „Bestpreis“ locken.

Solche Anbieter-Strategien werden nicht nur beim Verkauf von Produkten, sondern auch bei Informationen im Internet, der Suche mit Suchmaschinen usw angewandt. Verhindern kann man das nicht. Man sollte sich aber bewußt sein, daß vieles was man im Web sieht mehr oder weniger geschickt platziert wird. Ernsthafte Journalisten sollten sich mehrere Identitäten mit verschiedenen Profilen zulegen wenn sie den Verdacht haben, daß Inhalte sehr stark für Zielgruppen manipuliert werden.

PS Den Lego-Bausatz haben wir letzendlich beim Spielwarendiscounter um die Ecke gekauft. Dort war der Bausatz sofort verfügbar und 10% billiger als der „Bestpreis“ im Internet.

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