Cloud Sklave werden – bei Apple, Google oder Microsoft

Blue Cloud SkyZurück zur Steinzeit der IT ist der neueste Trend bei den großen Anbietern. Anstatt Anwendungen auf dem lokalen Gerät auszuführen, sollen jetzt Daten und Anwendungen auf zentralen Servern im Web laufen. Ältere IT Hasen erinnern sich noch an die Zeiten als sie ihre Programme in Form von Lochkarten zum Zentralrechner bringen mussten (noch heute bringt man z.B. große Mengen von Daten per Festplatte zum Hochleistungsrechenzentrum in Stuttgart). Einen wesentlichen Fortschritt brachten dann in den 70er Jahren die IBM /370 Systeme, die mit standardisierten Terminals und einem Browser (3270 Architektur) über Coax- und Telefonleitungen bedient werden konnten.

Die Benutzer waren die Sklaven des Rechenzentrums – was die RZ Leitung als Programm nicht anbieten wollte, gab es einfach nicht. Die Programmierer erfanden deshalb die Virtuelle Maschinen, die man auf den Maschinen des Rechenzentrums installieren konnte. Dort konnte man eigene Programme installieren und über die Netzwerke Freunden in der ganzen Welt zur Nutzung zur Verfügung stellen. Diese Technologie war sehr teuer – ein Programmierarbeitsplatz kostete damals etwa 100 k$ (gute alte!). Das gemeine Volk konnte sich das natürlich nicht leisten. Oft fand man in den Büros noch Terminals für zwei Mitarbeiter die man drehen konnte und um die man kämpfen musste. Der Vorteil dieser Systeme war die große Stabilität. An den Terminals konnte man nichts verändern vor allem keine Programme laden.

Mit der Einführung des IBM Personal Cumputers in den 80er Jahren kam die große Freiheit für die IT Nutzer. Jeder konnte nun Programme seiner Wahl installieren, standardisierte I/O Geräte anschließen und den PC auch zum Kunden oder nach Hause mitnehmen. Am Anfang waren das noch Ziehkoffer (Schlepptop), die dann zu Laptops und Smartphones mutierten. Die Programmentwickler hatten eine einheitliche Plattform und Zugriff auf eine Vielzahl externer Geräte mit standardisierten Schnittstellen und schufen zahllose Programme für die Anwender. Die große Freiheit führte auch ins Chaos. Programme und Daten waren zunehmend nicht kompatibel und auch nicht austauschbar. Mit der Einführung des Internets und des Webbrowsers in den 90er Jahren sollte wieder Ordnung geschaffen und wieder eine ähnliche Infrastruktur wie zu /370 Zeiten hergestellt werden. Auf Millionen von Servern wurde über mehr oder weniger einheitliche Browser zugegriffen.

Die Personal Computer der Benutzer wurden zu komplexen Rechenzentren mit vielen inkompatiblen Programmen, häufigen Updates, Angriffen mit Viren, Trojanern und Fehlern in  schlecht programmierten Anwendungen. Die Benutzer sind mit der Bedienung und Wartung ihrer Personal Computer überfordert und wollen nicht einen Großteil ihrer Zeit mit der Wartung ihrer Geräte verbringen. Da liegt es nahe zum bewährten /370 System Modell zurück zu gehen. Die Anwendungen laufen auf vielen virtuellen Maschinen in der CLOUD – man braucht eigentlich nur noch einen standardisierten Browser auf dem eigen PC, PAD oder Smartphone und natürlich schnelle Datenübertragung z.B. über Glasfaser Netze.

Hierfür braucht man aber wieder große Rechenzentren in denen die Anwendungen in Millionen von virtuellen Servern laufen. Dafür benötigt man viel Geld, spezielles Knowhow, globale Infrastrukturen und auch Einfluss auf die Politik und Behörden in vielen Ländern.

Im Moment gibt es eigentlich nur die drei Firmen Apple, Google und Microsoft, die auf diesem globalen Markt (ohne China) agieren können. Alle drei Firmen versuchen ihre proprietären Standards auf den Märkten durchzusetzen. Die Benutzer müssen sich jetzt entscheiden, wem sie sich anvertrauen und wem sie in Zukunft ihr Geld für die Cloud Services geben wollen. Die großen 3 ? haben alle das Ziel mehr Geld von den Kunden zu kassieren und den Cloud IT Markt zu dominieren. Dabei verfolgen sie unterschiedliche Strategien.

  • APPLE baut auf Innovation bei den Endgeräten, leichte Bedienbarkeit von Hardware und Software und ein Netz von unabhängigen Anwendungsentwicklern. Mit hohen Preisen für die Hardware versucht man das Geld für die Investitionen in die Cloud Infrastruktur zu verdienen. Bei Unternehmen tut sich Apple aber sehr schwer. Apple hat aber genug Geld in der Kriegskasse um die Cloud Investitionen zu stemmen. Es gibt allerdings einen ziemlichen Engpass bei internen und externen Entwicklern. Skill kann man nicht so einfach kaufen. Apple möchte Premium Cloud Anbieter werden, der hohe Preise für seine Produkte verlangen kann.
  • MICROSOFT hat zu lange auf traditionelle WINDOWS Software auf PCs und Servern gesetzt und versucht jetzt bei Cloud aufzuholen. Die Stärke von Microsoft ist die große installierte Windows Software Basis bei Endverbrauchern und Unternehmen. Microsoft kann wohl langfristig keine eigene mobile Hardware erfolgreich anbieten und ist ähnlich wie heute bei PCs und Servern auf externe Partner angewiesen. Da werden wohl ähnliche Probleme wie heute bei PCs auftreten. Microsoft hat aber genügend Verbraucher und Unternehmen auf den Microsoft Pfad verführt, die zumindest kurzfristig mit ihren Kernanwendern nicht zu anderen Cloud Anbietern wechseln können. Microsoft hat eine große Mannschaft von internen und externen Entwicklern und viel (auch leidvolle) Erfahrung im Management von großen Client/Server Netzen. Microsoft wird auf große Stückzahlen bei gehobenen Preisen für den Cloud Service setzen. Da Unternehmen ein wesentlicher Markt für Microsoft sind, wird wohl weiterhin Wert auf langfristige Stabilität und Kompatibilität gelegt.
  • GOOGLE hat eigentlich nur die Such- und Werbungstechnologie als eigene Technologie Basis. Ein wesentliches Asset ist aber das Android Betriebssystem für die Anbieter von billiger Hardware. Ähnlich wie die Google Anwendungen wurde Android aber schnell u.a. mit viel Open Source Code gestrickt. Das sorgfältige Management eines komplexen Systems mit vielen Hardware- und Softwarelieferanten ist sicher nicht eine Stärke von Google. Benutzer müssen damit rechnen, dass Google viele Anwendungen einführt aber bei Mißerfolg sofort einstellt. Google zielt mit seiner Cloud Strategie auf billige, kurzlebige Produkte, die in hoher Stückzahl verkauft werden.

Mit Einführung der Cloud Services ändert sich auch das Business Modell der Anbieter. Bisher konnte man durch Verkauf von Software mit relativ wenig Einsatz von Kapital hohe Gewinne einstreichen – Software Entwickler kosten ja nicht viel! Für den Aufbau der Cloud Infrastruktur braucht man aber viel Geld für Rechenzentren, Service und schnelle Netze. Ein Teil der Hardware, die bisher der Benutzer eingekauft hat, ist jetzt beim Cloud Service Provider.  Die Gewinnmargen werden also sinken und müssen durch größere Umsätze aus den Service-Einnahmen kompensiert werden. Bei einem solchen Umbau sind schon einige große IT Firmen gescheitert.

Private IT Benutzer werden sich je nach Anforderungsprofil einem der drei Cloud Anbieter anschließen müssen. Typische Benutzer werden wohl ausgehend von einem Windows PC mit I/O Geräten (in Zukunft werden es wohl mehr) verschiedene Cloud Dienste andocken. Schon in der Familie wird man mit verschiedenen Endgeräten arbeiten, weil die Familienmitgieder meist in unterschiedlichen Gruppen agieren. Für Benutzer mit wenigen Standardanwendungen kann es vorteilhaft sein, schnell in die Cloud zu migrieren.

Spätestens wenn Microsoft das Geld für das bisher verschenkte  WINDOWS 10 kassieren möchte, wird es Zeit zu handeln.

Meine persönliche Strategie ist es den Umzug meiner IT in die A-G-M Cloud hinauszuzögern. Für professionelle Zwecke verwende ich schon seit Jahren eine private Cloud (PrivatPortal – Micorsoft Sharepoint gehosted in der Schweiz). Für den Datenaustausch in der Familie wird ein lokaler Datenserver ( NAS – Network Attached Storage) verwendet, der mit dem FritzBox Router implementiert ist. Darauf können alle Familienmitglieder lokal mit einer APP von Apple und Android Geräten zugreifen. Für alte Anwendungen und Dokumente ist ein Offline Archiv Windows 7 Server installiert.  Mit dieser Strategie kann man sicher einige Jahre gut leben bis sich der Dampf über der Cloud Szene gelichtet hat.

Eine Antwort zu “Cloud Sklave werden – bei Apple, Google oder Microsoft

  1. Pingback: Spenden für Wikipedia und Mozilla (Thunderbird) | PrivatesPortal

Kommentare wieder erlaubt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s