Verrat durch Freunde – der Ischariot Effekt

FriendsLange Zeit ist es mir gelungen die persönlichen Daten von Familienangehörigen im Internet weitgehend zu schützen und damit speziell Ältere und Kinder vor Werbung usw zu bewahren. In einschlägigen Websites zur Personenbeschreibung kann man über mich deshalb auch nachlesen, daß es sich hier offensichtlich um eine Person handelt, die etwas zu verbergen hat!

Im Zeitalter der Smartphones und der sozialen Netzwerke funktionieren die persönlichen Schutzmaßnahmen nicht mehr. Die persönlichen Daten werden nicht mehr direkt über Angriffe auf den eigenen PC, sondern über „Freunde“ erhoben, die z.B. bereitwillig ihre Kontaktdaten einer „Taschenlampen App“ übergeben, ihren Aufenthalt bei Freunden über ihre Geodaten permanent öffentlich machen oder Photos in Facebook freizügig „Taggen“ oder in Beiträgen erwähnen. Dabei gebieten z.B. die AGBs von Facebook, dass eine Einwilligung eingeholt werden muss, bevor eine fremde Person auf einem Photo „getagged“ wird. Den unbedarften Freunden ist dabei nicht bewusst welchen Schaden sie damit anrichten können.

Mit den Photos von Personen können Facebook, Google und Co. ihre Algorithmen zur Gesichtserkennung verfeinern und riesige Datenbanken anlegen. Hat man dazu die Metadaten – wer, wann, wo, was, mit wem – kann man die Beziehungen einer Person im Detail erfassen. Im Dritten Reich, im kommunistischen Russland u.a. Diktaturen gab es Blockwarte, die jeden Kontakt akribisch an die Geheimpolizei meldeten. Das kann man jetzt automatisieren, und privatisieren.

In Zukunft wird Google Adsense nicht nur die Bewegungen von Personen im Web, sondern auch in der realen Welt erfassen und an Interessierte (auch Staaten) verkaufen. Da diese Verfahren und die biometrische Erkennung immer eine gewisse Fehlerwahrscheinlichkeit haben, werden fehlerhafte Daten von Personen gespeichert werden, die weder wissen welche Daten wo gespeichert werden noch wer sie nutzt. Bei medizinischen Daten kann das z.B. sehr gefährlich werden.

Wie mächtig die Methoden zur Analyse von Beziehungsnetzwerken und Bildern inzwischen schon sind, konnte man bei der Verfolgung der Attentäter von Paris und Brüssel sehen. Hier wurden sehr große Mengen von Videomaterial von Spezialisten mit den modernsten Methoden ausgewertet und die Täter identifiziert. Die Polizei hätte das mit eigenen Leuten und Mitteln nie leisten können. Mit diesem Erfolg im Rücken wird die Bildanalyse und Personenidentifikation im im öffentlichenund privaten Raum wohl ausgeweitet und durch Gesetze legalisiert werden. Nun ist gegen die Nutzung der neuen Technologien zur Verbrechensbekämpfung nichts einzuwenden, wenn in Rechtsstaaten die Rechte der Bürger angemessen geschützt werden.

Es gibt aber wohl immer mehr Staaten, die ihre Bürger entrechten und unterdrücken. Sie bekommen mit der neuen Technologie mächtige Werkzeuge in die Hand. China geht hier mit schlechtem Beispiel und neuester Technologie voran.

Als Internet Nutzer kann man sich schlecht gegen die geballte Übermacht der Datenerfasser wehren. Man kann aber versuchen, die Verbreitung der eigenen  Daten und der Daten der Freunde etwas einzudämmen.

Empfehlungen:

  • Speichern sie nur Kontaktdaten von Personen auf dem Smartphone, die Sie sehr häufig kontaktieren müssen. Speichern Sie Kontaktdaten von Geschäftspartnern in Dokumenten(z.B. Tabellen) als Link. Dann kann man mit einem Klick anrufen, Email senden usw. Diese Dokumente kann man auf dem Smartphone in verschlüsselten Dateien speichern. Säubern Sie ihre Kontaktdaten regelmäßig.
  • Suchen sie sich einen Email Provider, der Metadaten nicht auswertet und weitergibt.
  • Schalten Sie WLAN und Ortungsdienste im Smartphone nur an, wenn diese benötigt werden (das schont auch die Batterie)
  • Schalten Sie das Smartphone komplett aus, wenn es nicht benötigt wird. Richten Sie einen Anrufbeantworter im Netz ein, damit wichtige Anrufe nicht verloren gehen.
  • Speichern Sie große Mengen von Photos und Videos auf einem lokalen PC (Homenetzwerk), einem lokalen SAN (z.B. auf dem Router) oder einem eigenen Privatportal. Stellen Sie nur Fotos Online, die auch von anderen genutzt werden.
  • Nutzen sie Facebook und andere soziale Netzwerke sparsam und nur für „Tratsch“. Benutzen Sie sichere Kommunikationswege für ernsthafte Kommunikation. (WhatsApp verschlüsselt z.B. nur die Inhalte. Die Metadaten werden nicht verschlüsselt und werden für Analysen von Google genutzt).
  • Starten Sie ihr persönliches „Offline Archiv“ für wichtige Dokumente und Daten das sie auch in 20 Jahren noch nutzen können.
  • Machen Sie Freunde und Politiker darauf aufmerksam wie wichtig der Schutz der persönlichen Daten in einer Demokratie ist und gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

Sie werden damit wohl einer der einsamen Kämpfer für Datenschutz und persönliche Freiräume sein. Trösten Sie sich – an der Spitze ist man immer einsam!

Eine Antwort zu “Verrat durch Freunde – der Ischariot Effekt

  1. Na wenn die genannten Hinweise von 30% der Bürger umgesetzt werden sollten dann bekommen die Schlapphüte Probleme….

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