Anpassung des deutschen Urheberrecht an das Web Zeitalter – Dringend

Diskussionen um das Urheberrecht haben es inzwischen bis in die deutsche Parteienlandschaft geschafft. Wobei die Piraten für ihr zentrales Anliegen auch keine praktikable Lösung haben. Eine recht gute Zusammenfassung der Situation der Verbraucher (Jugendliche), Rechteinhaber (Komponisten, Autoren, sonstige „Künstler“), Verleger, Abmahnanwälte und anderen Parteien, die auf diesem Feld Geschäfte machen wollen, findet man in dem Beitrag von Felix Schwenzel über eine Veranstaltung DER SCHUTZ DES GEISTIGEN EIGENTUMS. Welchen Ärger Private und Firmen im deutschen Rechtedschungel, speziell in Sozialen Netzwerken, bekommen können wird recht gut im Buch von Thomas Schwenke  „Social Media Marketing und Recht“ zusammengefasst. Wenn man dieses Buch auch nur in Auszügen gelesen hat, wird man die kafkaeske Situation in Deutschland nur noch mit Kopfschütteln bewerten können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Rechtslage in Deutschland einen großen Teil der Jugendlichen kriminalisiert, weil sie Medien benutzen, die frei verfügbar sind, deren Nutzung beschränkt ist und für die es fü rsie gar keine Möglichkeit des legalen Erwerbs gibt. Die Jugendlichen haben nun einmal keine Kreditkarte (zum Glück). Die in anderen Ländern übliche „Prepaid Kreditkarte“ ist bisher in Deutschland nur wenig verbreitet. Nur Apple bietet für seinen iTunes Shop die Möglichkeit zur einfachen Bezahung mit einer Prepaid Karte ähnlich wie bei Mobiltelefonen an.

Eines der größten Probleme ist beim Urheberrechtsschutz, dass man meist nicht weiß, wer die Rechte eigentlich besitzt und wie man im Internet legal Rechte einfach erwerben kann. Vorbild wäre z.B. der Kauf einer iPhone App mit wenigen Mausklicks. Völlig unübersichtlich wird die Lage, wenn ausländische Urheberrechte ins Spiel kommen. Es gibt sehr viele Lösungsvorschläge von den verschiedenen Interessengruppen aber keine Einigung auf einen parktikablen Weg, der den Autoren einen gerechten Lohn aber auch den Kunden eine sinnvolle Nutzung der im Internet offen angebotenen Medien erlaubt. Es ist nicht einzusehen, dass die „Künstler“ gegenüber anderen „Schaffenden“ z.B. Ingenieuren und Programmierern eine Vorzugsbehandlung für ihre meist doch wenig kreativen Werke erhalten. Würde man die Prinzipien des deutschen Urheberrechts z.B. auf die Software im Web anwenden, würde der Betrieb sofort zusammenbrechen. Sobald der „Künstler“ nur einen Browser öffnet benutzt er Millionen von Programmierzeilen, die private Programmierer aber auch Firmen als Open Source der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt haben. Gemäß der Praxis des deutschen Urheberrechts müsste man vor der Benutzung des Browsers alle Programmierer fragen, ob sie mit der Nutzung einverstanden sind. Ähnlich müsste man bei der Benutzung einer DIN-Schraube vorgehen, wenn man die Ingenieure ähnlich behandeln würde wie die „Künstler“.

Das Problem mit dem deutschen Urheberrecht im Internet läßt sich mit den üblichen Mitteln, Rechtsanwälten, Richtern und tausenden von Abmahnungen nicht vernünftig lösen. Eine einfache Lösung gemäß der Prinzipien wie sie sicg bei technischen Erfindungen bewährt haben, wäre z.B. das folgende Verfahren:

  1. Alle schützenswerten „Werke“ (Text, Musik, Malerei, Fotos usw) müssen zentral registriert werden. Die Regisriernummer muss bei allen Bildern, die im Web verwendet werden (versteckt) angegeben werden. Es ist Unsinn bei jedem Bildchen eine dreizeilige Referenzinformation zu fordern. Jeder Benutzer kann mit einem Klick diese Information abrufen. Der Autor zahlt für die Registrierung eine geringe  Gebühr (einige Euro) die jährlich ansteigt, ähnlich der Patentgebühr bei technischen Erfindungen. Damit soll verhindert werden, dass ein Rechtefriedhof entsteht.
  2. Zu jedem „Werk“ wird angegeben, wie Nutzer Rechte erwerben können. Für Privatpersonen werden einige typische Nutzungsmöglichkeiten standardisiert und mit Pauschalpreisen versehen.

Interessanterweise wird ein ähnliches System in USA von den Republikanern vorgeschlagen, die meinen dass das bestehende Copyright System den Fortschritt und die Wirtschaft hemmt. Das wäre durchaus ein Ansatz eine weltweite Internet Copyright Regelung zu etablieren, die mit dem globalen Ansatz des Internets kompatibel wäre.

Mit der Anpassung des Copyrights in USA soll das auch in USA grassierende Abmahnunwesen bekämpft werden und die Einnahmen der Künstler zu Lebzeiten verbessert werden. Ein Zentrales Copyright System für Deutschland mit Vernetzung zu anderen Ländersystemen könnte man mit einigen Millionen Euro entwickeln und sicher für < 1 Million € im Jahr betreiben. Bei der GEMA gibt es bereits jetzt ein solches zentrales Auskunftssystem für Musikwerke, das aber nur die von der GEMA vertretenen Werke enthält.  Nachdem immer mehr Bürger das Internet als Informationskanal nutzen kann man wohl fordern, dass von den  800 Millionen €, die unsere öffentlich rechtlichen Sender für ihren Betrieb erhalten, das notwendige Geld für diese zentrale Infrastruktur abgezweigt wird. Dadurch würden sich auch die Chancen für junge Autoren erhöhen schon in ihren Anfangsjahren Einnahmen zu bekommen. Typisch erhalten junge Musiker < 100 € im Monat und nur etwa 4000 Platzhirsche (deren Musik bei Silberweiß gespielt wird) erhalten Beträge über 2000 €. Aber auch damit kann man keine grossen Sprünge machen. Deutschlands Abmahnanwälte verdienen da erheblich besser. Sie verschicken jährlich Abmahnungen im Wert von mehr als 460 Millionen €. Schon für einen illegalen Download müssen Jugendliche 100 € bezahlen. So mancher Komponist wäre froh wenn er im Jahr so viel Geld für eine Komposition erhalten würde.

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2 Antworten zu “Anpassung des deutschen Urheberrecht an das Web Zeitalter – Dringend

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