Das nächste EU Wolkenkuckucksheim – EU Cloud Computing

Die EU versucht immer wieder neue Technologien zu fördern obwohl bekannt ist, dass nichts schlimmer für die Entwicklung einer Technologie ist als die Einmischung von Politikern und Bürokraten. Das Internet und das weltweite Mobilfunknetz sind nur deshalb erfolgreich geworden, weil sich die Politik wohl mangels Sachkenntnissen nicht eingemischt hat. Der neueste Hype ist Cloud Computing. Dabei konnte man schon vor 30 Jahren auf den alten IBM 3270 Terminals weltweite Computer Services nutzen.  Die hohen Kosten für die Datenübertragung und die geringe Datenrate begrenzten den Kreis der Benutzer aber auf große internationale Firmen.

Die EU Kommission hat nun erkannt, dass Cloud Computing vor allem für kleinere Firmen (und Privatleute) zu erheblichen Einsparungen und verbesserten Dienstleitungen führen kann. Mit Anwendung des Cloud Computing könnte man auch die Prozesse in den europäischen und nationalen Bürokratien erheblich verringern. Typisch ist, dass die EU Kommission im eigenen Haus da nicht tätig werden will.

Leider hat Europa den Trend zum Cloud Computing verschlafen. Die Universitäten bilden keine Spezialisten dafür aus – man arbeitet ja selbst lieber ungestört auf seinem eigenen System. Geld für die Anschaffung einer größeren Cloud Infrastruktur und Cloud Anwendungen für die Ausbildung gibt es nicht. Der führende deutsche IT Anbieter, SAP, muss sich deshalb die Technologie in USA einkaufen (SAP kauft Ariba). Cloud Computing kann sich nicht auf wenige große Datencenter beschränken (z.B. in Island oder Grönland), weil die Antwortzeiten dann zu groß werden. Man muss die Verteilung der Cloud in die Fläche beherrschen. Dafür wird man in der EU keine Experten mit Erfahrung finden.

Eine weitere Grundvoraussetzung für Cloud Computing ist eine leistungsfähige Netzinfrastruktur speziell für das Hochladen von Daten. Hierfür benötigt man eine Glasfaserinfrastruktur, die bis in die kleinen Unternehmen und Privathaushalte reicht. So etwas gibt es heute in der EU allenfalls in Estland oder Litauen. Die Politik in Deutschland legt das Schwergewichtzur Zeit auf die Stromleitungen. Da bleibt kein Geld für Kommunikationsinfrastruktur übrig.

Ganz wichtig für den Betrieb von Cloud Services sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die deutschen Gesetzgeber haben es geschafft den rechtlichen Rahmen für Internet Services so ungünstig zu gestalten, dass eigentlich kein großer Service Betreiber in Deutschland effektiv arbeiten kann u.a. weil die Benutzer von den deutschen Abmahnanwälten mit Abmahnungen überflutet werden. . (Dieser Blog läuft bei einem Provider  in USA, mein persönliches Portal läuft bei einem Provider in der Schweiz!) Google verwendet für seinen URL Shortener Service formal die Adresse goo.gl (Grönland). Grönland gehört formal nicht zur EU, hat aber als von Dänemark administriertes Gebiet, viele Privilegien in der EU. Typisch ist z.B. dass der Server für die Qualitätssicherung in deutschen Krankenhäusern (CIRS) in der Schweiz betrieben wird, um die verschlüsslten, persönlichen Daten der Patienten und der behandelnden Ärzte vor dem Zugriff der deutschen Internet Justiz abzusichern.

Die EU hat also das Cloud Computing verschlafen. Beruhigend ist da allenfalls dass da Bayern mit seiner Initiative Bayern 3.0 „voranprescht“. Der Spott der Piratenpartei greift dabei zu kurz – immerhin siedeln sich die großen IT Konzerne (Microsoft, Google …) bevorzugt in Bayern an.

Eine Antwort zu “Das nächste EU Wolkenkuckucksheim – EU Cloud Computing

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