Datenschutz und Facebook – ein Tollhaus

Die Datenschützer in Schlewig-Holstein monieren zu Recht, dass persönliche Daten von Kunden die auf eine Webseite mit Facebook Like Button gehen, nach USA gesendet und allgemein nicht gemäß deutschen Datenschutzgesetzen behandelt werden. Dabei ist es nicht notwendig, dass der Benutzer auf den Button klickt. Seine Daten werden bereits übertragen wenn die Seite geladen wird. Wenn ein Benutzer z.B. auf die Seite www.cdu.de geht, wird das automatisch an Facebook gemeldet, weil natürlich auch die CDU bei Facebook dabei sein will ohne dass verstanden wird, was da eigentlich abgeht.  Zu den Verfahren von Facebook gibt es ein umfangreiches Positionspapier mit vielen technischen Details von den Datenschützern in Schleswig-Holstein.

Die Datenschützer gehen dabei sogar soweit, dass schon die Übertragung der IP-Adresse (mit zusätzlichen Informationen) unzulässig ist. Dabei verletzt nicht nur Facebook das deutsche Datenschutzgesetz sondern auch jeder Betreiber einer Website, der den Facebook Button auf einer Webseite darstellt. Die Schuldigen sind da aber in guter Gesellschaft. Die CDU und die SPD sind ja mit ihren Webseiten auch dabei. Interessanterweise macht die FDP auf ihrer Website das schon schlauer!

Bei aller Aufregung sollte man aber beachten, dass die von Facebook genutzte Technik bereits im Web auf Millionen von Webseiten schon lange benutzt wird. Fast jedes Werbebanner, dass im Browser des Benutzers erscheint, sendet beim Laden eine Nachricht mit der IP Adresse an den Server des Werbenden. Formal geht dabei der Benutzer auf einen Server, den er gar nie besuchen wollte. Das wird im Internet für viele Betrugsschemen genutzt und von vielen deutschen Richtern nicht verstanden. Viele Websites verwenden auch Google Funktionen für die Website Statistik, die beim Aufrufen der Seite mit den Google Servern Daten austauschen. Aber nicht nur die „bösen“ Monopolisten verwenden diese Technik. Wer z.B. von VG Wort Zahlungen für seine Webinhalte möchte muss so eine Schnüffelfunktion (METIS) auf seinen Webseiten implementieren, wovon die Benutzer natürlich nichts ahnen.

Besonders probematisch wird der verdeckte Besuch von Websites bei sogenannten Mashups, bei denen hinter einer Bildschirmseite Dutzende von Websites angesprochen werden können. Bis heute war das relativ unproblematisch, da sich niemand über das bewährte Verfahren beklagt hat. Inzwischen ist die Zahl der Abmahner und Abzocker im Internet beträchtlich angestiegen. Für diese Industrie ist natürlich eine solche Fakten- und Rechtslage ein gefundenes Fressen.

Die Aktivitäten des Schlewig-Holsteinischen wirken allerdings etwas kafkaesk wenn sich die Behörde selbst und die Landesregierung Schleswig-Holstein stolz auf Facebook darstellen.  Die Landesregierung und die eigene Behörde fällt damit den eigenen Datenschützern in den Rücken. Ein schöneres Beispiel für die Geringschätzung des Datenschutzes in Deutschland kann man wohl kaum finden.

 

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Eine Antwort zu “Datenschutz und Facebook – ein Tollhaus

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