Privates Portal Alternativen – Facebook, Google, Windows Live, Sharepoint u.a.

Als ich mit Mitgliedern meines Softwareentwicklungsteams 1998 das Buch Pervasive Computing (Addison Wesley Deutsche Einleitung) schrieb, hatten wir schon einige Prototypen eines Portals entwickelt und seit 1994 auch schon öffentlich z.B. auf der Cebit gezeigt. 1998 war eigentlich die technische Entwicklung von Portalen, wie sie heute auch die breite Öffentlichkeit z.B. von Facebook, Google, Windows Live, Blog Systemen (WordPress, Posterous u.a.) usw kennt, abgeschlossen. Dazu haben viele Entwickler in der Industrie, den Universitäten aber vor allem in der Open Source Gemeinschaft beigetragen. Diese Portale hatten bereits alle Eigenschaften, die man z.B. heute von den Platzhirschen der IT kennt. Allerdings waren Installation und Betrieb IT Spezialisten und kommerziellen Anwendern vorbehalten, da die System aufwändig und recht teuer waren. Sehr bald gab es aber schon Systeme, die Endbenutzer als Service entweder unentgeltlich oder gegen geringe Gebühren benutzen konnten. Typische Portale sind heute Google (Apps), Facebook, Sharepoint, Windows Live, WordPress  u.a. und haben folgende typische Funktionen:

  • Webseiten individuell anlegen und persönliche Daten (Bilder, Musik, Dokumente (Wiki) usw) im Web speichern
  • Anwendungen individuell in Kacheln auf Bildschirmen anordnen (das heißt heute App, Widget, Gadget, Portlet u.a.). Die Anwendungen haben laufen dabei zum Teil mit Programmen auf dem Gerät (Client) und auf dem Webserver. Damit kann man schnelle und ansprechende Benutzerschnittstellen erstellen.
  • Zugriff über Anwendungen auf eine Vielzahl von Applikationen und Services im Web
  • Benutzer können mit PC, Mobiltelefon (Web oder Sprache) sowie mit einer Vielzahl von Geräten z.B. Hausgeräte oder Auto auf das Portal zugreifen. Dabei konnte man z.B. eine Sitzung mit dem PC starten und dann mit Sprache von unterwegs fortsetzen.
  • Sicherheitsmechanismen für den Zugriff von offenen Zugang,  Passwort, UID/Passwort bis zum Login mit Zertikaten und Krypto Schlüssel z.B. Smartcard (gibt’s sogar heute auch bei Windows)
  • Kommunikation: eMail, Messaging (RSS), SMS, Internet Telephonie, Chat usw
  • Soziale Netzwerke in vielfältigster Form beginnend mit zentral verwalteten eMail, RSS und SMS Verteilern bis zu komlexen Netzwerkstrukturen wie z.B. bei Google+

Private Benutzer, Gruppen, Selbständige und kleine Unternehmen können jetzt Portalinfrastrukturen nutzen, die früher nur großen Unternehmen zur Verfügug standen. Das Problem ist nun aber, dass man jetz die Qual der Wahl hat und eigentlich noch weniger wie früher auf dem PC selbständig entscheiden kann, welche Software man nutzt. Wählt man ein System, dass von Freunden und Geschäftspartnern nicht benutzt wird, steht man ziemlich einsam ohne soziales Netz da und wird im Web nicht beachtet. Läuft man mit der Menge zu Facebook, so sollte man sich die Nutzungsbedingungen von Facebook sorgfältig durchlesen. Facebook ist eine Gesellschaft gemäß dem Recht des US Bundesstaates Delaware (beliebt wegen seiner laxen Gesetze für Unternehmen) und ihr Geschäft in der EU nach irischem Recht betreibt (auch nicht gerade die Heimat der Benutzerrechte und des Datenschutzes). Klagen gegen Facebook sind nur in Santa Clara County , Kalifornien zugelassen.

Diese Nutzungsbedingungen führen z.B. in einem Verein dazu, dass ein Teil der Mitglieder sich absolut weigert, Kunde bei Facebook zu werden und dort seine persönlichen Daten abzugeben. Damit ist eine gemeinsame Plattform für einen Verein schon geplatzt. Ähnlich ist es bei Unternehmen, die ungern Verträge mit nicht selbst gewählten Partnern abschließen oder Daten nicht im Ausland speichern dürfen..

Das primäre Ziel aller kommerziellen Anbieter von Portalen ist es, der dominante Geschäftspartner der Benutzer zu sein und dessen persönliche Daten wie Namen, Adresse, Alter (unter Vorwand des Jugendschutzes), Persönliche Vorlieben (Hobbies) und ganz natürlich die Bankverbindung und die Kreditkartennummer zu speichern. Jugendliche unter 13 Jahren dürfen Facebook offiziell nicht benutzen. Adieu Famlien- oder Schülerportal! Wenn möglich versucht man noch ein eigenes Zahlungssystem wie z.B. eBay(Paypal) oder Google vorzuschreiben. Wie wichtig das ist, kann man in Steve Jobs‘ Biographie nachlesen. Apple kontrolliert ja über seine Geräte alle Kunden und verlangt Gebühren für Werbung sowie Nutzungsgebühren z.B. (ca 30 %) für alle Musikstücke, Software usw welche die Apple Kunden bei anderen Anbietern kaufen. Das machen Anbieter und Kunden in der Regel nur in einer kurzen Anlaufphase mit. Das erklärt warum Google, Microsoft u.a. mit Macht in das Geschäft drängen. Wichtig ist dabei, dass der Kunde sich immer anmelden muss (dafür bietet man ein paar personalisierte Services an). So weiß Facebook und Co. immer mit wem man es zu tun hat und kann Werbung zielgerichtet schalten, das Benutzerverhalten speichern und analysieren usw.

Endbenutzer haben nun mehrere Probleme:

  • setzt man auf das falsche Pferd, vergeudet man Zeit (auch für das Erlernen des Systems) und Geld. Man erreicht auch seine Zielgruppe nicht. (Wer erinnert sich z.B. noch an Second Life?)
  • Obwohl man die Basissysteme zur Zeit unentgeltlich benutzen kann, wird man in Zukunft wohl für Zusatzfunktionen ähnlich wie bei Apple (Speicher, Bandbreite … ) bezahlen müssen. Man ist dann Facebook und Co ziemlich hilflos ausgeliefert.
  • Die Systeme von Facebook, Google, Microsoft sind noch ziemlich unausgegoren. Wenn bestimmte Features von den Kunden nicht angenommen werden, werden sie einfach gestrichen oder so geändert, dass man als Benutzer wieder von vorne anfangen muss (Ist mir zweimal bei Sharepoint und zweimal bei Google Apps passiert).
  • Wenn  Anbieter erkennen, dass sie nicht genügend Gewinn machen, geben sie das System einfach auf. (Ist mir bei Google schon zweimal passiert).
  • Persönliche und sensitive Daten sind bei den großen Anbietern nicht sicher u.a. weil Fremdanwendungen auf  Daten in Facebook (z.B. Adresslisten) zugreifen dürfen und sich alle Hacker natürlich an den großen Anbietern versuchen. Die großen Anbieter sind politisch erpressbar (es geht ja ums Geschäft) und filtern Benutzerinformationen (oft verlangt das sogar ein Gesetz)

Man muss als Privatbenutzer eines Portals zwei Anforderungsprofile unterscheiden:

  1. Öffentliche Anwendungen – hier kann und soll eigentlich jeder im Web die Daten einsehen können.
  2. Private Anwendungen – hier muss man Daten der Familie,von Gruppen, von Geschäftspartnern usw schützen und den Zugriff selbst steuern. Hier darf man seine Partner auch nicht zwingen mit einem Portalanbieter einen Vertrag einzugehen.

Da die Portallandschaft noch ziemlich im Fluss ist, empfiehlt es sich, nicht nur mit einem System zu arbeiten.

Für professionelles und sicheres Arbeiten verwende ich zur Zeit eine Sharepoint Plattform (Kosten etwa 80 €/Jahr) eines Schweizer Hosters, für die ich Benutzer selbst zulassen kann (Admin Funktion). Für offene Blogs im Web bevorzuge ich WordPress (dieser Blog hier), die ich auch über Twitter und teilweise Facebook publiziert werden. Für Messaging verwende ich primär Twitter aber auch Facebook und MSN Live (einfach weil einige Freunde das verwenden).

Für Internet Telephonie bevorzuge ich Skype und für Chats was immer von den Partnern bevorzugt wird. Hier ist die Situation sicher noch sehr unübersichtlich.

In einzelnen Blog Beiträgen soll demnächst auf grundsätzliche Überlegungen zur Auswahl und zum Einsatz der Systeme eingegangen werden. Ein weites Feld!

Eine Antwort zu “Privates Portal Alternativen – Facebook, Google, Windows Live, Sharepoint u.a.

  1. Pingback: Privates Portal Alternativen – Facebook, Google, Windows Live, Sharepoint u.a. - SharePoint Blogs in German - Bamboo Nation

Kommentare wieder erlaubt

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s