Das Gesundheitsministerium lügt bei der Einführung der Gesundheitskarte

Bru_PeopleObwohl jeder Testlauf der neuen elektronischen Gesundheitskarte schief lief und sich das Projekt schon über 8 Jahre hinzieht, sollen die Krankenkassen zumindest an einen Teil ihrer Mitglieder die neue Gesundheitskarte jetzt ausgeben. Datenschutz ist  zunächst kein Thema, da auf der neuen Karte nicht mehr drauf steht als auf der alten Karte. Am wichtigsten für die Versicherten ist nach wie vor die gedruckte Rückseite der Karte – damit kann man nämlich im Ausland vom Arzt ohne Zahlung behandelt werden. Das funktioniert (auch ohne EU) überraschend gut. In Österreich musste ich für die ambulante Behandlung nach einem kleinen Unfall nicht einmal Praxisgebühr bezahlen!

Haarsträubend sind dagegen die Lügen in der offiziellen Ankündigung der Regierung. Laut Ankündigung sollen folgende Daten gespeichert werden

  • Notfalldaten
  • Liste aller eingenommenen Medikamente
  • Impfstatus
  • Patientenakten der behandelnden Ärzte
  • Entscheidung zur Organspende

Der Speicherplatz der neuen Karte reicht keinesfalls für Notfalldaten, Liste aller eingenommenen Medikamente und die Patientenakten der behandelnden Ärzte. Das Schreiben von Daten geht bei dem gewählten Kartentyp mit Kontakten theoretisch mit 1 kByte/sec. In der Praxis werden aber meist nur 0.1 kByte/sec erreicht. Da dauert das Schreiben einer DIN A4 Seite schnell mal eine Minute.

Muss in der Arztpraxis zusätzlich zur Gesundheitskarte auch der Personalausweis gelesen werden, dann wird es spannend. Da der neue Personalausweis kontaktlos arbeitet, die Gesundheitskarte aber mit Kontakten braucht man zwei verschiedene Leser. Kein Wunder kommt der Personalausweis doch aus dem Innenministerium und die Gesundheitskarte aus dem Gesundheitsministerium!

Nun kann man die neue Karte als unsinnige Abzocke der Versicherten abtun. Richtig gefährlich wird es aber dann, wenn auch Patientendaten auf der Karte oder auf Servern gespeichert werden. Dabei ist die größte Gefahr nicht, dass die persönlichen Daten in falsche Hände geraten. Die größte Gefahr besteht darin, dass die Ärzte falsche Daten austauschen und der Patient keine Chance hat, diese einzusehen und zu korrigieren. Ein kleines Beispiel: in jedem der letzten fünf meiner Arztbriefe fehlten wichtige Angaben und wurden falsche Befunde angegeben (weil man die Untersuchung ja mit der Krankenkasse abgerechnet). In zweien  der Arztbriefe waren Fehler, die meine Gesundheit ernsthaft hätten gefährden können wenn andere Ärzte der Information getraut hätten. Im Bekanntenkreis hat schon fast jeder erfahren dass im Bericht rechts und links verwechselt werden. Links aus Sicht des Arztes ist eben rechts aus Sicht des Patienten.

Eine Einführung zentral geführter Pateintendateien ohne Kontrollmöglichkeit fdurch den Patienten ist lebensgefährlich. In jedem vernünftigen Gesundheitssystem muss diese Funktion verfügbar sein. Im deutschen System ist das natürlich nicht vorgesehen. Wahrscheinlich fürchten sich Ärzteverbände und Kassen vor den vielen Klagen der Patienten bei fehlerhaften Diagnosen und Arztbriefen.

2 Antworten zu “Das Gesundheitsministerium lügt bei der Einführung der Gesundheitskarte

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