Sinnvolle Anwendungen für Chipkarten

Bei der Vielzahl von unsinnigen Chipkartenanwendungen, die deutsche Behörden immer wieder aushecken, kann man ernsthaft an der Sinnhaftigkeit der Chipkartentechnologie zweifeln. Am Beispiel der erfolgreichen Chipkartenanwendungen, kann man aber erkennen, was sinnvolle Anwendungen auszeichnet:

  1. Vorteile für den Benutzer
  2. Leichte Bedienbarkeit
  3. Funktionierende Infrastruktur für Kartenausgabe und Kartenmanagement
  4. Häufiger Gebrauch

Diese Voraussetzungen sind bei Mobilfunkkarte, Krankenkassenkarte, Kredit- und Bankkarte gegeben.  Diese Karten werden eigentlich nur zur sicheren Identifikation des Kartenbesitzers für einen vom Benutzer gewollten Zweck eingesetzt. Mobilfunkkarte, Krankenkassenkarte und Kreditkarten erreichen einen relativ sicheren Betrieb sogar ohne Eingabe eines PINs . Alle gut akzeptierten Karten sind leicht zu bedienen und die Kunden verstehen die Anwendung.

Die auf jeder ec-Karte vorhandene Geldkarte zeigt aber wie man  sinnvolle Kartenanwendung für die Kunden inakzeptabel machen kann. Eigentlich ist es eine gute Idee, auch kleine Geldbeträge mt einer Karte zu bezahlen. In Frankreich funktioniert das an allen Supermarktkassen hervorragend. Besonders ältere Personen bezahlen besonders anders als in Deutschland gern mit Karte. Noch vorteilhafter ist es, wenn man vor einem der teuren Automaten für Parkgebühren steht und das Kleingeld fehlt. Die Geldkarte ist z.B. ideal um Fahrkarten für den Nahverkehr, Parkgebühren usw zu bezahlen. Das Problem bei der Geldkarte ist jedoch, dass viele Automaten keine Geldkarte akzeptieren und die wenigen Geldkartenautomaten und die Zahlvorgänge viel zu langsam sind (die Raucher müssen eben diese Geduld aufbringen) . Bei manchen Geräten dauert es länger als eine Minute bis die Zahlung abgeschlossen ist! Ich sehe auch ungern meine ec-Karte in einem Automaten verschwinden wobei man nur hoffen kann, dass die Karte wieder heraus kommt. Viel besser sind Automaten, bei denen die Karte nur gesteckt wird und man sie im Notfall wieder heraus ziehen kann wie z.B. bei den Automaten der Stuttgarter Straßenbahn. Leider ist die Benutzerführung an allen Automaten unterschiedlich. Man weiß nie so richtig ob die Sache überhaupt funktioniert und wann man die Karte wieder entnehmen kann. Ist zu wenig Geld auf der Geldkarte, hat man natürlich verloren und muss wieder nach Münzen kramen.  Da man die Geldkarte nur an einem Bankautomaten aufladen kann, ist es meist einfacher sich gleich Bargeld zu ziehen.

Wie man es richtig macht, zeigt die Oyster Card für den Nahverkehr in London. Diese Karte funktioniert ähnlich wie eine Prepaid Telefonkarte. Das hat den Vorteil dass fast alle Benutzer den Umgang mit der Karte kennen. Die Karte kann man ähnlich wie eine Telefonkarte mit verschiedenen Verfahren aufladen – mit Bargeld am Bahnsteig, mit Kreditkarte u.a. übers Internet. Die Karte dient sowohl zum Bezahlen als auch als Ticket. Man braucht also keine Papierzettel mehr. Die Karte wird blitzschnell kontaktlos gelesen. Eine Buchung dauert weniger als 0.1 Sekunden!  Die Lesegeräte sind sehr billig und schon vom Prinzip sehr wenig anfällig für Vandalismus. Wo kein Schlitz ist, kann man auch nichts hineinstecken! Die Karte ist übertragbar und dient damit nicht zur Überwachung der Bewegungsprofile von Personen. Man ruft dabei ganz ähnlich wie bei der Mobilfunkkarte eigentlich nur Dienste Online ab. Eine solche Karte könnte man in Regionen oder sogar bundesweit einführen (die Mobilfunkkarte funktioniert ja sogar weltweit) und wäre wirklich eine wesentliche Erleichterung für die Kunden.

Eine sinnvolle Karte für das Internet wäre eine Identifikationskarte für sichere Zugriffe auf Server über Zertifikate aber auch auf legitime Anonymitäts-Services (Anonymizer). Mit dem Zugriff auf Server über sichere Zertifikate auf Chipkarten, kann die Vielzahl von Benutzer Paswörtern durch ein persönlich verwaltetes Passwort ersetzt werden, das sich der Benutzer auch merken kann. Dabei werden nicht die Passwörter der verschiedenen Anwendugen gespeichert sondern es wird auf der Karte eine Anfrage des Servers digital signiert. Sicherer ist ein solches Verfahren allerdings nur dann, wenn der Zugriff über Benutzername und Passwort grundsätzlich nicht möglich ist. Ein solches Verfahren wurde z.B. auf IBM Lotus Systemen jahrzehntelang von Millionen von Benutzern erfolgreich verwendet.

Die mit dem neuen Personalausweis vorgesehenen Funktionen sind ja ganz gut gemeint, erlauben aber den Service Anbietern ein 100% Tracking und sollten allenfalls für amtliche Anwendugen z.B. mit Finanzamt verwendet werden. Da nur deutsche Bürger mit Personalausweis das System nutzen können, ist es für viele Anbieter im Internet nicht interessant. Mobil telefonieren können in Deutschland aber auch Ausländer! Mal sehen wie sich der neue Personalausweis mit Zusatzfunktionen als geschlossenes System im Normalbetrieb schlägt. Wahrscheinlich wird die Anwendung wie bei anderen geschlossenen Systemen scheitern. Erstes Anzeichen ist z.B. dass Computer Bild eine spezielle Computer Bild Login Karte ausgibt, die mit den Lesern für den Personalausweis funktioniert, und nicht den Persobalausweis Login verwendet.

Eine ebenso wichtige Funktion ist der anonyme Zugriff im Internet. Der Benutzer greift dabei auf das Web über einen Proxy Server zu, der die IP Adresse des Benutzers verbirgt sowie Cookies abfängt und damit Tracking erschwert. Solche Services werden natürlich gerne auch mißbraucht. Mit einer persönlichen ID Karte für das Internet und einen geregelten Proxy Betrieb mit rechtlich verbindlichen Regeln kann man sowohl die Interessen der Benutzer, die bei vielen Services anonym bleiben wollen als auch das Interesse der Gemeinschaft, die Übeltäter im Web auch identifizieren will, unter einen Hut bringen. Die beim neuen Ausweis vorgesehene Pseudonym-Funktion ist eigentlich nur eine permanente Cookie Funktion und bietet keinen Proxy Schutz gegen Viren, Cookies und statische Server Daten auf dem PC des Benutzers. Wer sich das wohl wieder ausgedacht hat?

Anders als bei den Chipkartenprogrammen der Regierung können bei den vorgeschlagenen Anwendungen die Benutzer sich einen Anbieter (ganz ähnlich wie beim Mobiltelefon) aussuchen und den Anbieter auch wechseln. Allerdings muss man sich ähnlich wie bei GSM oder Kreditkarten auf einen Standard einigen.

Eine Antwort zu “Sinnvolle Anwendungen für Chipkarten

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