Privates Alarmsystem für Schulen

Lehrer in Ludwigshafen haben sich offensichtlich ein eigenes privates Warnsystem für ihre Schule aufgebaut und damit beigetragen, weitere Opfer durch einen amoklaufenden ehemaligen Schüler zu verhindern. Wie so oft wollen die offiziellen Stellen ein spezielles, teures System installieren, das dann wegen Kompetenzgerangel, Finanzierungsproblemen und komplexer Bedienung erst am Sankt Nimmerleinstag funktioniert. Ähnlich ist es beim Katastrophenalarm, wo die Behörden, die Polizei und Rettungskräfte (meist zu spät) alarmiert werden, die Bevölkerung aber nicht informiert wird. Ein klassisches Beispiel ist das Starzel Hochwasser 2008 in Hechingen und Umgebung, bei dem 3 Menschen starben, weil sie nicht rechtzeitig informiert wurden. Bei dem Unwetter in Madeira gab es genau das gleiche Problem.

Da nicht zu erwarten ist, dass die Behörden das Problem der Katastrophenwarnung, schnell und effizient im Sinne der Bürger lösen, sollten sich Schulen, Bürgerinitiativen, Vereine usw mit modernen Handy und Web 2.0 Techniken selbst helfen. Das geht viel einfacher und mit wenigen Euro Investitionen und Betriebskosten mit einem Privat Nachrichtendienst, der ähnliche Funktionen wie Twitter bereitstellt, ohne dass sich die Teilnehmer bei Twitter, Facebook, Google usw anmelden müssen. Für das System benötigt man einen klassischen Message Server, der Warnmeldungen über Telefonanrufe, SMS und eMail an alle in einer Liste gespeicherten Telefonnummern und/oder eMail Adressen verschicken kann.  Ein Beispiel ist z.B. das Starzel Hochwasser System .  Warnmeldungen werden durch einen Anruf oder eine SMS an eine spezielle Telefonnummer ausgelöst. Dabei werden nur Anrufe von berechtigten Teilnehmern akzeptiert und so Missbrauch verhindert. Die Verwaltung der Telefonnummern und der Berechtigung sowie Information der Teilnehemer kann man elegant mit einem Privaten Portal ähnlich wie beim Starzel Hochwasser Meldesystem ohne großen Aufwand implementieren. Bei kleineren Gruppen z.B. Schulen oder Verein kann man die Verwaltung auch von Hand mit Hilfe einiger EXCEL Tabellen machen. Wichtig ist dabei, die Teilnehmer zu schulen (dafür braucht man 10 Minuten) und das System regelmässig zu testen, damit im Falle eines Falles die Benutzer mit dem System umgehen können. Dadurch dass die Benutzer die vertrauten und täglich geübten Handyfunktionen verwenden, kann man auch im Falle eines Falles schnell handeln. Je nach Anwendungsfall sollte man die Benachrichtigung über einen Anruf oder SMS (oder beides) wählen. An Schulen sollte man über einen direkten Anruf warnen, da dies viel schneller geht als eine SMS auszulesen. Der Lehrer sieht dann sofort, dass ein Anruf vom Notrufsystem kommt und muss nicht umständlich ein paar Knöpfe drücken um die SMS zu lesen.  Falls ein Lehrer sein Privathandy für diesen Dienst nicht nutzen möchte (die Schüler müssen ja auch ihr Privathandy abschalten) finden sich bei Schülern und Eltern sicher ein paar ältere Handymodelle, die mit einer billigen Karte von ALDI für diesen Zweck und andere wichtige Nachrichten in der Schule genutzt werden können. Professionelle Message Server können auch Standard Telefone mit SMS Nachrichten bedienen, wenn in jeder Klasse ein internes Telefon verfügbar ist. Allerdings kann die interne Telefonvermittlung zu Verzögerungen bei der Weitergabe der Warnmeldung führen. Natürlich kann man Handy und Standardtelefone auch gleichzeitig verwenden.

Überlastung des Mobilfunknetzes?

Genau wie oben beschrieben beschafft das Kultusministerium Baden-Württemberg eine teure lokale Warnanlage für die Realschule in Winnenden. (Für die anderen Schulen ist dafür natürlich kein Geld in den Kassen).  Eine Handylösung wurde verworfen, mit dem Argument, dass z.B. bei einem Amoklauf das Mobilfunknetz schnell überlastet wird. Das stimmt sicher für die kritischen ersten 30 Minuten nicht – da hat ja noch nicht einmal die Polizei Bescheid gewusst und schon gar nicht die vielen Reporter und Neugierigen, die dann später das Netz überlastet haben. És macht aber sicher Sinn, die Bürger darauf hinzuweisen, dass das Handy im Katastrophenfall nicht für lange Privatgespräche genutzt werden sollte. SMS schicken ist da wesentlich besser. Der wesentliche Vorteil einer Handy Lösung gegenüber der Gegensprechanlage für Lehrer ist, dass auch Schüler und andere Personen warnen können. Da Handys auch täglich privat genutzt werden, ist sicher der Akku im Ernstfall auch nicht leer. Spezialgeräte machen nur bei Einsatzkräften Sinn, die ihr Gerät oft nutzen und dann das Aufladen auch nicht vergessen. Für die Nachbearbeitung von Katastrophen sollte heute ein Internet Informationssystem bereit gestellt werden, wodurch eine große Zahl von Personen konsistent informiert werden kann. Das kann man heute ja mit WLAN und iPhones (und anderen Mobiltelefonen) ganz einfach einrichten. Das muss aber regelmäßig geübt werden, sonst kann das im Ernstfall niemand. Sehr hilfreich wäre eine einheitliche Notfall-URL z.B. http://www.meinestadt-110. de, die jeder kennt.

2 Antworten zu “Privates Alarmsystem für Schulen

  1. Das macht definitiv Sinn! In Zeiten des Web 2.0 sollten solche Alarmsystem doch auch wirklich technisch gut umzusetzen sein. Gibt es diesbezüglich zu den Maßnahmen inzwischen Neuigkeiten?

    • Bei der Katastrophen Warnung hat sich inzwischen etwas getan. Eine Ausgründung des Fraunhofer Instituts (mit einem engagierten Mitarbiter habe ich vor etwa 8 Jahren einige mal kommuniziert) hat das System KATWARN auf den Markt gebracht, das z.B. vor schweren Regenfällen u.a. warnt. Es gibt dafür APPs für iPhone und Android Smartphones. Einige Städte und Landkreise haben sich in den KATWARN Service eingekauft. Leider hat man aber den Wert der sozialen Netze und die niedrige Einstiegsschwelle über Telefon und SMS nicht verstanden. Oma Krause wird sich wohl keine APP installieren und die Security Settings und Messaging so machen, daß es im Falle eines Falles auch funktioniert. Da unsere Behörden nur mit hierarchischen Systemen arbeiten hat man die soziale Netzwerk Funktion nicht implementiert. Nun Kann KATWARN zwar vor heftigen Regenfällen warnen. Ob es dabei aber zu Überschwemmungen kommt wissen nur die Leute vor Ort. Typisch sind z.B. Flutwellen die durch Verstopfungen im Flussbett oder dem Kanalsystem erzeugt werden. Das kann man mit dem Regenradar nicht feststellen.
      Das zentrale Systen hat damit sogar erhebliche Nachteile. Über KATWARN erhält man viele Warnungen, die fast immer keine lokale Relevanz haben. Damit Warnungen nicht mehr ernst genommen. Laden Sie mal die KATWARN App auf das Smartphone – da bekommt man sehr schnell die Problematik der Gießkannen Warnungen mit. Siehe auch
      https://portaleco.wordpress.com/2016/05/30/katastrophenwarnung-katwarn-warum-nicht-mit-sozialem-meldernetz/

      Das tieferliegende Problem ist, dass die Kunden für das soziale Netzwerk nicht bezahlen wollen (große Unglücke sind ja sehr selten) und die Behörden alles von oben herab kontrollieren wollen – man vertraut eben seinen Bürgern nicht. Ein privates System z.B. für einen Ort läßt sich für < 200 € im Jahr betreiben. Die Einrichtung kann man mit einem Aufwand von ca 1 Woche machen – das können Web affine Freiwillige mit einer guten Anleitung installieren und betreiben. Das ist für unsere Behörden natürlich zu billig!

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