IPv6 verschlechtert den Datenschutz

Zur Zeit wird den Netzwerkteilnehmern von ihrem Provider in der Regel eine dynamische Internetadresse zugeteilt, die meist nur für eine kurze Zeit gültig ist. Damit kann die Identität des Benutzers aus der IP Adresse nicht bestimmt werden, wenn keine Zusatzinformation vorliegt. Site Betreiber können die IP Adresse zwar registrieren die Identität des Benutzers z.B. in einem Streitfall nur mit Hilfe des Netzwerkproviders erhalten, der an gesetzliche Regelungen gebunden ist. Internetbenutzer sind damit relativ gut geschützt. Dies erklärt warum man sich zur Zeit bei vielen Websites registrieren und anmelden muss, da der Betreiber der Site meist daran interessiert ist den Benutzer zu kennen. Das hat für den Benutzer durchaus auch Vorteile, da nur dann personalisierte Funktionen angeboten werden können. Für Internetwerbung z.B. für Google ist dagegen dieser Effekt ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells, das auf der Analyse des Benutzerverhaltens beruht.

Werden bei IPv6 die Internetadressen den Geräten des Benutzers fest zugeordnet, dann kann die Identität des Benutzers aus der IP Adresse abgeleitet werden – es entfällt die Anonymisierung der heutigen Netzwerk Adress Translation (NAT). Mit diesem Problem werden sich unsere Juristen und Datenschützer sicher erst beschäftigen wenn die Technik auf breiter Front eingeführt wird. 

Im Informatik Spektrum, April 2008 findet man einen recht guten Aufsatz von Ursula Sury zum Stand der technischen und juristischen Lage der heutigen Technik. Leider ist dieser Aufsatz nicht im Internet verfügbar (oder nur gegen Gebühr beim Springer Verlag). Es ist eigentlich unverständlich dass Berufsverbände wie die GI oder der VDE wegen der geringen Einnahmen durch Veröffenlichungen in Papierform in Kauf nehmen, dass Veröffentlichungen in der Internetwelt praktisch nicht wahrgenommen werden. Hier könnte sich das BMBF mal engagieren, damit zumindest die Ergebnisse von Arbeiten, die mit Bundesmitteln gefördert wurden, allgemein zugänglich gemacht werden. Vielleicht folgt dann auch der Schweizer Arbeitgeber von Frau Sury dem guten Beispiel nach.         

5 Antworten zu “IPv6 verschlechtert den Datenschutz

  1. Pingback: Umstellung auf IPv6 – Test | PrivatesPortal

  2. Nicht ganz richtig. Bei IPv4 kann man nicht allen Benutzern eine feste IP Adresse geben, weil es nicht genug davon gibt. Bei IPv6 kann man zwangsweise eine feste IP Adresse zuweisen. Dies werden totalitäre Staaten zwingend verlangen. Wenn wir unsere Internet Freiheit nicht besser schützen, wird uns das auch passieren. Adieu Freiheit im Web.

  3. IPv6 hat eben einige nette „Funktionen“, wie etwas, dass es genügend Adressen gibt, um jedem einzelnen Gerät eine einzelne IP-Adresse zu geben. Das hat natürlich Vor- und Nachteile.

    Man kann natürlich auch mit IPv6 NAT verwenden, jedoch muss man dann auf einige Vorteile verzichten. Deshalb muss jeder selbst entscheiden, ob ihm jetzt in diesem Fall seine Privatsphäre oder der Datenschutz wichtiger ist.

    Alternativ könnte man auch jedem Gerät mehrere IPv6-Adressen zuweisen, eine statische und eine dynamische, wobei ausgehender Datenverkehr standardmäßig über die dynamische geht. Damit hätte man Datenschutz und die Vorteile von IPv6 dann wenigstens ein bisschen kombiniert.

  4. Richtig! Werden wie bisher Adressen vom Provider dynamisch vergeben, gibt es keinen Unterschied zum heutigen Betrieb mit IPv4. Mit IPv6 wird es aber möglich, IP Adressen fest zu vergeben, weil die Zahl der möglichen Adressen viel größer ist. Da können die Sicherheitsbehörden in den verschiedenen Ländern wohl einige Ideen haben, wie sie sich die Arbeit erleichtern können. Deshalb ist es wichtig, diese Möglichkeit früh zu erkennen und die Benutzer auf den möglichen Verlust von Anonymität aufmerksam zu machen.

  5. Auch ohne NAT und mit IPv6 kann ein Provider Adressen dynamisch vergeben. Die Anonymität ist somit immer noch gewahrt. Demgegenüber gibt es Anwendungen bei denen auch bei IPv4 und NAT eine statische und somit eindeutig nachvollziebare Adresse vorausgesetzt werden. Der Datenschutz hat somit wenig mit IPv4 oder IPv6 zu tun.

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