Spenden ohne Transparenz

Der Fall UNICEF hat wenigstens einige Praktiken des Spendensammlergewerbes in Deutschland ans Licht gebracht. Aber auch hier gilt weiterhin “ .. die im Dunkeln sieht man nicht!“  Dabei sollten nicht nur die mehr oder weniger gemeinen oder nützlichen Vereine sondern auch die Praxis in den Kirchen hinterfragt werden. So habe ich bisher an Weihnachten einen Spende an eine Behindertenorganisation der evangelischen Kirche überwiesen, deren Mitarbeiter sicher einen sehr guten Job machen. Der Spendenaufruf war immer unterzeichnet mit „Ihr Pfarrer Kottnick“. Nun war ich neulich sehr überrascht in einer Fernsehsendung zu sehen, wie  Pfarrer Kottnick als Präsident des Diakonischen Werkes der EKD in einer schwarzen Luxuslimousine mit weißen Ledersitzen (natürlich mit Chauffeur) bei der Ministerin von der Leyen zur Audienz vorfuhr. Danach kam eine PR Eloge auf den selbstlosen Pfarrer Kottnick, wie er sich rührend um Senioren in Heimen kümmert, die an weißgedeckten und blumengeschmückten Tischen ihren Nachmittagskaffee tranken. Anschließend konnte man Pfarrer Kottnick beim Verlassen seiner noblen Berliner Dienstvilla in Begleitung seiner Lebensabschnittsgefährtin und beim Spaziergang am See  beobachten. Graf Potemkin läßt multimedial grüßen!  Wer von Spenden und Kirchensteuer lebt, sollte sich bei jedem Auftritt überlegen, ob angemessen mit dem Geld anderer Leute umgegangen wird.

Es sollte das Ziel jeder gemeinnützigen Organisation sein, möglichst effizient zu arbeiten. Das Internet ermöglicht eine höchst effiziente Administration und auch eine Partizipation aller Mitglieder bei Wahlen oder bei der Diskussionen über förderungswürdige Projekte. In USA wird wesentlich mehr gespendet als bei uns – jedoch fordern die Spender auch saubere Rechnungslegung und Mitwirkung ein. Eine andere Möglichkeit ist die Persönliche Spende, bei denen die Spende nicht an Organisationen sondern direkt an Menschen gehen, z.B. an Lehrer, die sich um benachteiligte Kinder kümmern. Firmen in USA (u.a. IBM) unterstützen zum Beispiel direkt über die Firmenmitarbeiter, die sich ehrenamtlich engagieren. USA gibt es auch einen relativ großen Software Markt für Non Profit Organisationen. Gerade die Non Profit Organisationen können vom Internet und Web 2.0 Techniken profitieren. Bei Ärzte ohne Grenzen kann man z.B. bereits Online spenden – dabei fallen natürlich sehr geringe Kosten an.

Andererseits gibt es in USA auch viele „kirchliche“ Orgnisationen, die ähnlich wie in Deutschland von jeglicher öffentlicher Rechnungslegung und auch anderen Auflagen z.B. bei der Einstellung und Bezahlung des Personals befreit sind. In Deutschland gibt es einige zaghafte Versuche, die Transparenz und die Effizienz bei gemeinnützigen Vereinen zu erhöhen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) verleiht ein Spenden Siegel für gemeinnützige Organisationen. Man geht aber nicht so weit, konkrete Zahlen zu veröffentlichen. Allerdings nehmen nur etwa 40 Organisationen an diesem Programm teil, was für die Seriosität des DZI sprechen könnte. Das DZI hatte aber UNICEF Deutschland korrektes Arbeiten bescheinigt und das „DZI Gütesiegel“ erst nach Protesten in der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Bevor man an eine Orgnisation spendet, sollte man sich genau anschauen, ob und wie die Vorstandsmitglieder von den Mitgliedern berufen werden (Haben sie jemals ihre Stimme zur Wahl das ADAC Vorstands abgegeben?) und welche Gehälter an die Geschäftsführung sowie an diverse Berater ausbezahlt werden. Organisationen, die keinen zertifizierten Abschluss, der auch diese Zahlen enthält, im Internet veröffentlichen sind mit äusserster Vorsicht zu betrachten.

3 Antworten zu “Spenden ohne Transparenz

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